Wir suchen Sie. Nicht irgendjemanden.
Pädagogische Fachkraft (m/w/d)
für Kinder, die gerade zumeist den schlimmsten Tag ihres kleinen Lebens haben
Berlin-Neukölln · Voll- oder Teilzeit · unbefristet · zum nächstmöglichen Zeitpunkt
Worum es hier eigentlich geht
Wenn ein vierjähriges Kind spätabends bei uns ankommt — übermüdet, verstört, zumeist zum ersten Mal getrennt von allem, was es kennt — dann entscheidet sich in den nächsten zwanzig Minuten erstaunlich viel. Wie wir schauen. Wie wir sprechen. Ob wir uns hinknien oder stehen bleiben. Ob wir gleich Fragen stellen oder erst einmal nur da sind.
Diese zwanzig Minuten sind Ihr Job.
Und die Stunden danach. Und die Tage. Und die Gespräche mit dem Jugendamt, die Berichte ans Familiengericht, das gemeinsame Frühstück, das erste zaghafte Lachen nach einer Woche, gemeinsame Ausflüge und der vielleicht schmerzhafte Abschied, wenn es für das Kind weitergeht — all das.
Wer wir sind
Die spreeEULE gGmbH ist ein Berliner Träger der freien Kinder- und Jugendhilfe. Unser „Haus Neukölln“ ist eine Clearing- und Kriseneinrichtung nach § 42 SGB VIII mit insgesamt 12 Plätzen für Kinder im Alter von zwei bis sechs bzw. sieben bis zwölf Jahren, die vom Jugendamt in Obhut genommen werden. Weil zu Hause etwas vorgefallen ist. Weil ihre Sicherheit nicht mehr gewährleistet war. Weil ein System aus den Fugen geraten ist.
Wir glauben nicht, dass diese Kinder schwierig sind. Wir glauben, dass sie auf oft unerträgliche Situationen nachvollziehbar reagieren — und dass unsere Aufgabe darin besteht, diese Reaktionen zu verstehen, bevor wir sie bearbeiten. Das ist keine Floskel, sondern eine Arbeitshaltung, die sich in jedem Dienstübergang, jedem Fallgespräch und jeder Berichtsseite zeigt.
Unser Haus steht in einem lebendigen Kiez in Neukölln, in dem Kinder mit vielen Sprachen und Biografien gleichzeitig aufwachsen. Das ist keine Erschwernis. Das ist unser Arbeitsgegenstand.
In der Ankunft. Sie nehmen Kinder auf, die meist überfordert, oft traumatisiert, manchmal abwesend, manchmal hochexplosiv sind. Sie sorgen für ein Bett, ein Getränk, ein Gesicht, das bleibt. Sie halten aus, was das Kind in diesem Moment nicht tragen kann — und Sie wissen, wann Sie dafür das Team brauchen.
In der Krise. Sie deeskalieren, wenn ein Siebenjähriger den Tisch umwirft, weil er nicht anders kann. Sie verstehen traumatische Reaktionen als Kommunikation und Kontaktangebot, nicht als Verhaltensproblem. Sie handeln bei Selbst- und Fremdgefährdung klar und professionell — und Sie reflektieren danach, was in Ihnen selbst ausgelöst wurde.
Im Clearing. Sie beobachten genau, dokumentieren präzise und arbeiten im Team an der Frage, die hinter jedem Fall steht: Was braucht dieses Kind, damit es weitergehen kann? Sie schreiben am Ende einen Bericht, der eine wichtige Grundlage für die weiteren Hilfemaßnahmen ist. Damit übernehmen Sie einen wichtigen Beitrag im Kinderschutz.
Im Alltag. Sie gestalten einen Tag, der trägt: feste Rituale, verlässliche Mahlzeiten, Schulweg, Hausaufgabenzeit, Toben auf dem Spielplatz, Vorlesen am Abend. Nichts davon ist spektakulär. Alles davon ist heilsam, wenn es verlässlich geschieht.
Mit den Familien. Sie begegnen Müttern und Vätern, die oft selbst beschädigt sind — und denen Sie trotzdem mit Respekt gegenübertreten, weil das Kind ein Recht auf seine Familie hat, so kompliziert diese Beziehung auch sein mag. Sie begleiten Umgangskontakte, führen Gespräche, halten Ambivalenzen aus.
Im Netzwerk. Sie arbeiten mit dem RSD, dem Berliner Notdienst Kinderschutz, Kinder- und Jugendpsychiatrien, Kitas, Schulen, Familiengerichten — manchmal im Konflikt, immer im Auftrag des Kindes.
Im Schutz. Sie arbeiten nach § 8a SGB VIII, dem Schutzkonzept des Hauses und Ihrem fachlichen Gewissen. Wenn Sie unsicher sind, fragen Sie. Wir haben lieber ein Gespräch zu viel als eine Einschätzung zu wenig. Unsere Leitung ist eine erfahrene Fachkraft, die auch Berufsanfänger*innen befähigen kann, in diese Anforderungen hineinzuwachsen.
Sie sind staatlich anerkannte*r Erzieher*in, haben Soziale Arbeit, Kindheitspädagogik, Erziehungswissenschaft oder Heilpädagogik studiert — oder bringen eine vergleichbare, nach Berliner Fachkräftegebot anerkannte Qualifikation mit.
Wichtiger als ein bestimmtes Zertifikat ist uns, wie Sie denken und wie Sie arbeiten. Wir suchen Menschen, die
Traumapädagogische, systemische oder bindungsorientierte Vorerfahrung ist ein Plus — aber kein Muss. Die Bereitschaft, sich in diese Felder einzuarbeiten, dagegen schon.
Wir sind ehrlich: Das Haus Neukölln ist ein junges Projekt. Vieles steht, vieles wächst noch, und wer zu uns kommt, gestaltet mit — an einem Ort, an dem fachliche Entscheidungen nicht in jahrzehntealten Routinen verhandelt werden, sondern von denen getroffen werden, die die Arbeit tatsächlich übernehmen.
Das Gehalt wird entsprechend Ihrer Qualifikation und Berufserfahrung individuell festgelegt.
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